China wird auch weiterhin auf internationale Kooperation und technische Unterstützung aus dem Ausland angewiesen sein

Interview mit Oliver Wack, VDMA Außenwirtschaft

Herr Wack, China ist eines der wichtigsten Exportländer für den deutschen Maschinenbau. Nun will das Land international noch wettbewerbsfähiger werden. Wie soll das erreicht werden?

China flankiert die Weiterentwicklung seiner Industrie mit einer strategischen Industriepolitik, die eigene Innovationen fördert und gleichzeitig chinesische Unternehmen unterstützt, international verstärkt Fuß zu fassen. Die Projekte im Sektor Robotik oder die „Belt and Road“ – Initiative sind gute Beispiele hierfür. Darüber hinaus werden in Feldern wie der Bahntechnik, dem Schiffbau oder den Werkzeugmaschinen große Konglomerate geschaffen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu erhöhen.

Ist die „Made in China 2025“-Strategie für deutsche Unternehmen eine Bedrohung oder eher eine Chance?

Mittel- bis langfristig dürfen wir die möglichen Auswirkungen der Strategie nicht unterschätzen. Die Ziele sind deutlich formuliert und besagen, dass die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferungen signifikant zurückgefahren werden soll. Kurzfristig allerdings wird China auch weiterhin auf internationale Kooperation und technische Unterstützung aus dem Ausland angewiesen sein. Dies birgt durchaus zusätzliche Chancen für den innovativen deutschen Maschinen- und Anlagenbau, der nachhaltige, energiesparende und auf den Kunden zugeschnittene „State of the Art“ – Lösungen anbieten kann.

Welche Lösungsansätze gibt es im Systemwettbewerb mit China?

Der offensive Ansatz liegt deutlich in den Anstrengungen, den Standort Deutschland und seine Kompetenzen zu stärken und damit zukunftsfähig zu machen. Wir müssen zum Beispiel den Forschungsbereich intensiver fördern und unser China-Know-how in Wirtschaft und Gesellschaft auf eine breitere Basis stellen. Auf der anderen Seite unterstützt der VDMA den Abschluss des seit 2013 verhandelten EU-China Investitionsabkommens. Bundeskanzlerin Merkel hat den chinesischen Präsidenten zum Gipfel nach Leipzig im September eingeladen und somit eine Zielmarke gesetzt. Hiermit könnte China seinen „Good Will“ gegenüber den Europäern zeigen und belegen, dass es ebenfalls die Schaffung eines fairen Wettbewerbsumfelds unterstützt. Des Weiteren sollte die EU ihre handelspolitischen Werkzeuge überprüfen und gegebenenfalls an die aktuelle Situation anpassen. Dies schließt zum Beispiel einen anderen Umgang mit staatseigenen Bietern für europäische Ausschreibungen mit ein.

Kann man die mittel- bis längerfristigen Auswirkungen des Corona Virus auf das China-Geschäft bereits abschätzen?

Derzeit lassen sich die Auswirkungen noch nicht vollständig abschätzen. Nach einer Blitzumfrage in der letzten Woche unter den Niederlassungen unserer Mitglieder in China scheint es so zu sein, dass Liefer- und Logistikketten vor Ort immer noch „nicht rund laufen“. Die überwiegende Zahl der Unternehmen produzieren bereits wieder mit einer reduzierten Belegschaft. Dies gilt allerdings noch nicht für alle Kunden. Insofern können unsere Mitglieder auch nur das ausliefern, was Kunden abrufen. Für Deutschland rechnen wir damit, dass es ab Ende März zu Störungen kommen kann, da „in der zweiten Welle“ aufgrund der Restriktionen vor Ort wesentlich weniger Waren aus China per Schiff unseren Kontinent erreichen werden.

Inwiefern kann die VDMA Abteilung Außenwirtschaft die Verbandsmitglieder bei Handelsthemen im Allgemeinen und bei China-Fragen im Speziellen unterstützen?

Die VDMA Außenwirtschaft unterstützt die VDMA-Mitglieder bei sämtlichen Fragestellungen des Exportgeschäfts. Darüber hinaus verfügt sie über Kenntnisse in Fragen des Marktzugangs bzw. der Abwicklung von Projekten in den jeweiligen Partnerländern. Die Abteilung pflegt ebenfalls ein umfangreiches Netzwerk in den wichtigsten Abnehmerländern – natürlich auch in China.

Zur Person

Oliver Wack verantwortet in der VDMA Außenwirtschaft die Regionen Ost- und Südasien. Er berät Mitgliedsunternehmen zu Marktzugangsbedingungen und Einreiseregelungen und betreut Informationsveranstaltungen zu ausgewählten Länderthemen.

Zur VDMA Abteilung Außenwirtschaft

Die VDMA-Abteilung Außenwirtschaft berichtet über ausländische Märkte und informiert über Marktbedingungen, die wirtschaftliche Lage und die relevanten Entwicklungen im Ausland. Die Abteilung unterstützt die Mitglieder nicht nur von Frankfurt aus, sondern auch über VDMA-Verbindungsbüros in Brasilien, China, Indien, Japan und Russland.