Digitalisierung wird zu einer radikalen Veränderung bestehender Prozesse in Produktion und Vertrieb führen

Interview mit Walter Volpert, Geschäftsführer Linde Welding GmbH / Linde Schweisstechnik GmbH

Herr Volpert, Sie sind der Geschäftsführer zweier Töchter der Linde AG. Was sind die Geschäftsfelder dieser Unternehmen?

Die 2008 ins Leben gerufene Linde Welding GmbH hat als reine Holding Gesellschaft das Mandat, zunächst in Deutschland eine flächendeckende Präsenz schweißtechnischer Händler aufzubauen, diese miteinander zu vernetzen und in den Linde Konzern zu integrieren. Unsere Geschäftsfelder liegen mit klarem Fokus auf einem breiten und qualitativ hochwertigen Angebotsspektrum im Bereich der Lichtbogentechnik, schweißtechnischem Zubehör, Zusatzwerkstoffe und Arbeitssicherheit. Vertrieb und Marketing erfolgt sowohl stationär als auch via digitaler Medien. Als Tochterunternehmen des Linde Konzerns ist uns die Gaseaffinität natürlich mit in die Wiege gelegt. Die nahezu einzigartige Kombination aus professioneller Schweißtechnik und dem fundierten Know-how im Bereich Industriegase stellt für uns innerhalb der Branche ein gewisses Alleinstellungsmerkmal dar, welches unsere Kunden zu schätzen wissen.

Die hohe schweißtechnische Fachkompetenz unserer Mitarbeiter an den mittlerweile 9 Standorten der Linde Schweisstechnik GmbH gewährleistet unseren Anspruch, der perfekte Servicepartner unserer Kunden zu sein. Als Service- und Dienstleistungspartner unterstützen wir zudem sehr erfolgreich den rasanten Aufbau des Gas & More Franchisesystems in Deutschland.

Wie wird sich der Schweißtechnik-Handel Ihrer Meinung nach künftig entwickeln?

Ich denke, wir dürfen uns vom derzeitigen konjunkturellen Rückenwind nicht zur Euphorie hinreißen lassen und den sich stetig fortschreitenden Strukturwandel ausblenden. Nach wie vor erleben wir zum einen die weitere Verlagerung ehemaliger schweißintensiver Arbeitsschritte und -prozesse in Länder mit deutlich niedrigerem Lohnniveau. Zum anderen werden weiterhin alternative Verbindungsmethoden dazu führen, dass in den klassischen Schweißverfahren keine allzu großen Wachstumsphantasien liegen. Gerade mit dieser Kenntnis ist es unerlässlich, sich auf die zukunftsfähigen Bereiche zu fokussieren.

Wir sehen hier große Chancen u.a. in den Bereichen Service, Sicherheit, Beratung. Um dies zu gewährleisten, ist ein starkes Team mit einem hohen Grad an Fachkompetenz zwingend erforderlich. Permanente Aus-und Fortbildung sind für den langfristigen Erfolg dieser Sparte deshalb unerlässlich. Weiterhin rechne ich mit einem weiteren starken Wachstum digitaler Vertriebskanäle. Hierbei werden vor allem die Systeme die Nase vorne haben, die dem Kunden einen medienbruchfreien Zugang an ihre Warenwirtschaftssysteme bieten. Digitalisierung, Internet of things, Industrie 4.0,… werden nicht nur gern zitierte Schlagwörter sein, sondern zu einer radikalen Veränderung bestehender Prozesse in Produktion und Vertrieb führen. Auch in diesem Themenkomplex gilt es, frühzeitig gut aufgestellt zu sein.

3-D-Druck bzw. Additive Manufacturing sind derzeitige Trendthemen, deren Bedeutung künftig zunehmen dürfte. Inwiefern wird dies den Schweißtechnik-Handel beeinflussen? Muss man damit rechnen, dass Kunden künftig weniger kaufen, sondern selbst ausdrucken?

Sicher ist dies ein sehr ernstzunehmendes Thema in den nächsten Jahren. Das Potenzial scheint riesig, die Möglichkeiten schier unbegrenzt. Der Grundgedanke des individuellen, schnellen „on demand“ Produzierens geht einher mit dem uns auch in vielen anderen Bereichen bekannten Verhalten. Wir werden die Möglichkeiten einer Teilhabe an dieser Technologie sehr genau ausloten. Eine Abschätzung zu einer konkreten Einflussnahme auf unsere konventionellen Schweißverfahren halte ich aus jetziger Sicht allerdings für verfrüht und zu spekulativ.

Mit dem Schweisshelden-Blog auf Facebook spricht die Linde Schweißtechnik GmbH bevorzugt jüngere Zielgruppen an. Inwiefern sehen Sie die Branche von einem Nachwuchs- bzw. Azubi-Problem betroffen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass der allseits beklagte Nachwuchsmangel nicht am Desinteresse für die Schweißtechnik liegt. Weit über 70.000 zumeist junge Menschen folgen unserem Facebook Account „Schweisshelden“. Es wird dort in beeindruckender Weise über Schweißtechnik und deren Magie emotional diskutiert und gefachsimpelt. Junge Leute stellen Ihre Projekte mit großem Stolz vor und helfen sich in der Community selbst bei deren schweiß-technischen Herausforderungen.

Die Youtube Tutorial Serie mit unserem Schweisshelden „Hartmut“ wurde bereits hunderttausendfach angesehen und kommentiert. Dies alles spricht doch dafür, dass in der jungen Generation durchaus großes Interesse an Berufsfeldern rund um die Schweißtechnik existiert. Wenn wir es schaffen diese „digital natives“ von einem Berufsumfeld zu begeistern, welches nicht nur durch Lärm, Schmutz und schwerer körperlicher Arbeit geprägt ist, sondern auch deutliche Schwerpunkte in digitaler Vernetzung, zeitgemäßer Kommunikation und professionellem Arbeitsschutz setzt, mache ich mir ehrlich gesagt nur begrenzt Sorgen.

Zur Person

Walter Volpert ist Betriebswirt und seit 1994 im Linde Konzern tätig. Sowohl bei der Linde Welding GmbH als auch bei der Linde Schweisstechnik GmbH bekleidet er die Funktion des Geschäftsführers.

Zu den Unternehmen

Die Linde Welding GmbH wurde 2008 gegründet. Sie gehört zur Linde AG und hat als reine Holdinggesellschaft die Aufgabe, in Deutschland ein flächendeckendes Netz schweißtechnischer Händler aufzubauen, miteinander zu vernetzen und in den Linde-Konzern zu integrieren.

Die Linde Schweisstechnik GmbH ist ebenfalls eine Tochter der Linde AG und einer der führenden Schweißfachhändler in Deutschland. Mit aktuell 9 Standorten in Deutschland bietet sie Einkauf und Beratung für alle Belange der metallverarbeitenden Industrie. Neben Walter Volpert besteht die Geschäftsführung aus Jörg Kraus und Karsten Grah.