Weltweiter Gasmarkt nach Corona-Krise unter Schock

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Erfolgsverwöhnte Branche muss mit Einbußen rechnen. Wachstum findet zukünftig nur noch in Schwellenländern statt (IEA Gasreport 2020).

Die Kombination der Covid-19-Krise und eines außergewöhnlich milden Winters auf der Nordhalbkugel haben die weltweite Nachfrage nach Erdgas extrem einbrechen lassen, so das Fazit des aktuellen „GAS 2020“-Berichts der Internationalen Energieagentur (IEA). Demnach wird die weltweite Gasnachfrage um 4 Prozent oder 150 Milliarden Kubikmeter sinken - doppelt so stark wie nach der globalen Finanzkrise von 2008.

Anfang Juni erlebten alle wichtigen Gasmärkte weltweit einen Nachfragerückgang oder Wachstumseinbrüche. Für das Gesamtjahr wird erwartet, dass ausgerechnet die reiferen Märkte in Europa, Nordamerika und Asien die größten Einbrüche erleben werden.

"Erdgas hat bisher weniger schwerwiegende Auswirkungen als Öl und Kohle erlebt, aber es ist weit davon entfernt, vor der aktuellen Krise gefeit zu sein. Der Rekordrückgang in diesem Jahr stellt eine dramatische Umstellung für die erfolgsverwöhnte Branche dar, die sich an starke Nachfragesteigerungen gewöhnt hatte", bewertete Dr. Fatih Birol, Exekutivdirektor der IEA, Anfang Juni die Lage.

Das weltweite Überangebot treibt die wichtigsten Erdgas-Indizes auf Rekordtiefststände. Gleichzeitig kürzt die Öl- und Gasindustrie ihre Ausgaben und verschiebt Investitionsentscheidungen mit erheblichen Folgen für die Zulieferindustrie. Obwohl bereits für 2021 eine Erholung erwartet wird, geht der IEA-Bericht nicht von einer raschen Rückkehr zum Kurs vor der Krise aus.

Nach 2021 findet der größte Teil des Nachfrageanstiegs in den asiatischen Schwellenländern statt, angeführt von China und Indien, wo der Gassektor von einer starken politischen Unterstützung profitiert. In beiden Ländern ist die Industrie die Hauptquelle des Wachstums, was die Gasbranche aber auch stark vom Tempo der Erholung der Binnen- und Exportmärkte für Industriegüter abhängig macht. Die Auswirkungen der Corona-Krise werden bis 2025 zu einem jährlichen Nachfrageausfall von 75 Milliarden Kubikmetern führen, was dem Anstieg der weltweiten Nachfrage im Jahr 2019 entspricht.

Die Hauptantriebskräfte des künftigen Angebotswachstums - US-amerikanischer Schiefer und große konventionelle Projekte im Nahen Osten und in Russland - stehen auch unter dem Druck des gegenwärtigen Ölpreiseinbruchs und der Unsicherheit bezüglich der kurz- und mittelfristigen Nachfragetrends.

Verflüssigtes Erdgas (LNG) wird der Hauptantrieb des internationalen Gashandels bleiben. Die Welle von Investitionen in LNG-Projekte in den Jahren 2018 und 2019 wird zusätzliche Exportkapazitäten in Nordamerika, Afrika und Russland mit sich bringen. Ein langsameres Wachstum der weltweiten Gasnachfrage in den kommenden Jahren wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Kapazität bis 2025 die LNG-Importe übertrifft, wodurch das Risiko eines engen LNG-Marktes vorerst begrenzt wird.

Neue Produktions- und Infrastrukturprojekte werden voraussichtlich vor dem Hintergrund deutlich geringerer Wachstumsraten ans Netz gehen, was die Aussicht auf kurzfristige Überkapazitäten und niedrige Preise verstärkt.

 

Quelle: IEA